Frauenmacht - Gustaf af Geijerstam - Страница 1 из 186


Städten gehen die Menschen fremd aneinander vorüber, und nur
der Neuangekommene hat ein gewisses Interesse für alles und
für alle, denen er begegnet. Wir interessieren uns nur für
die Menschen, die wir kennen, und wenn wir draußen auf dem Lande
sind, kommt es uns lächerlich vor, daß jeder, dem wir
begegnen, uns mit einem guten Tag oder guten Abend begrüßt.
Der Brauch und vielleicht die Notwendigkeit haben es dahin gebracht,
daß wir davor zurückscheuen, uns einem anderen Menschen zu
nähern, und deshalb hat man gewisse Formen erfunden, ohne deren
Beobachtung jede Annäherung unerlaubt ist. Zwischen denen, die
nicht der Zufall zusammenführt, haben wir so hohe Schranken
errichtet, daß sie fast unübersteiglich erscheinen. Und
deshalb kann die Vereinsamung gewisser einzelner in der
Großstadt stärker und empfindlicher werden als in der
tiefsten Einöde. Unter solchen Verhältnissen geschieht
es zuweilen, daß wir auf unserm Wege einen Fremden entdecken,
dessen Wesen uns ahnen läßt, daß wir in ihm einem der
wenigen begegnet sind, an denen man nicht vorbeigehen möchte,
einem von denen, die man zu Freunden haben möchte, weil ihre
Freundschaft dem Dasein größeren Wert verleihen würde
– wenn es einem nur gelänge, über die unsichtbare
Mauer hinwegzukommen, die niemand errichtet hat, die aber alle
respektieren. Diese unsichtbare Mauer aber ist da, und trotzdem sie
doch allein aus äußeren Rücksichten


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