Karin Brandts Traum - Gustaf af Geijerstam - Страница 1 из 195


vergangener Tage gelauscht. Eine Sage hab ich gehört von
Menschen, die längst gestorben sind. Und während die Tage
des Sommers entschwanden, hab ich gefühlt, wie die Sage lebendig
ward und sich in Worte kleidete. Die Erinnerung alter Geschlechter
lebt im Geschick der Menschen, die meine Fabel umspinnt, und auch in
meinem Blute schäumt ein Widerhall von Geschlechtern, die
längst vergangen sind. In waldige Gegenden führt mich
die Erinnerung, in Gegenden, wo die Männer der alten Geschlechter
das Land urbar machten, wo ihre Weiber ihnen Söhne und
Töchter gebaren, die das Land, das die Väter urbar gemacht,
bebauen sollten. In Tannen- und Kiefernstriche, wo der Elch noch lebt,
wo die Moosbeere im Sumpfe blüht, wo das Erz zu Eisen geschmiedet
wird, führt mich die Erinnerung. Da reißt der Fluß
durch den Tannenwald, da strecken sich die Wälder meilenweit,
noch unberührt von der Hand des Landwirtes, da glühen die
Meiler zum sternhellen Nachthimmel auf, tief liegt der Schnee im
Winter, und im Sommer spielt der Birkhahn im Morgenglanz. Du
stille, starke, wundervolle Welt, in der meine Kindheit verrann! Im
Lichte dessen, was ich damals sah, steigen Erinnerungen empor,
Erinnerungen, nicht an Dinge, die ich selbst gesehen, sondern an
Dinge, die ich erzählen hörte, einst, zur Zeit, da meine
Schritte die schwarze Erde des Eisenwerkes, die Rasenhügel des
Birkenhags oder die glatten, nadelbestreuten Pfade des Waldes traten.


-10     пред. Страница 1 из 195 след.     +10