Meine Spitäler - Hanns Theodor Wilhelm Freiherr von Gumppenberg - Страница 1 из 64


Hanns von Gumppenberg
I Wenn er sich im Spital befand, war
wenigstens nicht die Literatur daran schuld, die ihn gewiß mit
Gold und Ehren überhäuft hätte, sondern doch wohl ein
bißchen er selbst und andere – meinen Sie nicht auch,
liebe gnädige Frau? Ich will nicht länger bei dieser –
zudem recht belanglosen – Frage verweilen; nicht ich werde das
Wort ergreifen, er wird sprechen, und zwar gewissermaßen
unpersönlich, so nach seinem besonderen Poetentemperament.
In hohen Sälen, in einem förmlichen Palast, verflossen die
Wochen der Lehrzeit. Die ungeheuren weißen Vorhänge an den
Fenstern und die strahlend schöne Julisonne füllten seine
Seele mit einer neuen Wärme, die zu rechter Zeit auch durch
einiges bare und einiges sicher fällig werdende Geld auf ihrer
Höhe erhalten wurde, so daß die augenblickliche Lage nach
innen und außen nicht peinlich erschien, höchstens
prickelnd in ihrer unbedeutenden Schwierigkeit. Was ließe sich
von den Chefärzten sagen und von ihrem Stab, den Assistenten und
Studenten, als daß es sehr nette Menschen waren; was von den
Angestellten – (die Kirche sagt da »Diener«) –
und von den Kranken, als daß die armen Leutchen sich nach besten
Kräften ums Kurieren mühten? Nur ein einziger Todesfall in
diesen etlichen vierzig Tagen: ein alter Mann, der im Verscheiden
»Mama, Mama!« stammelte. – Alles in allem: ein sehr


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