Das Geständnis - Henry Gréville - Страница 1 из 192


  Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen

von Emmy Becher. Stuttgart.
Verlag von J. Engelhorn.
1898. Alle Rechte vorbehalten. Druck der Union Deutsche
Verlagsgesellschaft in Stuttgart.
Erstes Kapitel Auf der schattigen und malerischen
Fahrstraße, die von Clermont-Ferrand nach dem Puy de Dôme
führt, rollte ein großer Landauer dahin, und der
gleichmäßige Trott des stattlichen Gespanns schaukelte drei
glückliche Menschen. Die alte Frau Firminy, die ihre Nichte
Berthilde und deren Verlobten als Ehrendame begleitete, war vielleicht
weniger stürmisch glücklich als das junge Paar, aber in
ihrer Gemütsruhe fand sie doch auch ein Glücksgefühl.
Die rechte Hand in der Kleidertasche versteckt, um das Geheimnis ihrer
Andachtsübung nicht preiszugeben, ließ sie vielleicht zum
zehntenmal während dieser Fahrt den Rosenkranz durch ihre Finger
gleiten. Die früh verwitwete kinderlose Frau hätte
ohne den Beistand der Religion in einen trostlosen Seelenzustand
geraten müssen. Der Glaube hatte ihr nicht nur zur Aussicht auf
ein besseres Leben verholfen, sondern auch zu einer Menge von
Beschäftigungen, womit sie die Zeit ausfüllen konnte, die
sie noch hienieden zu verleben hatte. Ihre Schwester hatte ihr
sterbend die Pflicht auferlegt, die Erziehung der reizenden, damals
sechzehnjährigen Berthilde zu vollenden, was sie anfangs etwas in


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