Magenta und Solferino, Band 3 - Hermann Ottomar Friedrich Goedsche - Страница 1 из 465


politischer Roman aus der Gegenwart 1865
Dritter Band Zweiter Abschnitt. Frei bis zur Adria! 1865.
Im Schweizer-Saal! Es war Neujahr – der
Abend des Tages, mit dem das alte Jahr 1858 seinem Nachfolger 1859 den
Platz in der Weltgeschichte und im Leben der einzelnen Menschen
räumte, deren Leiden, Thaten und Leidenschaften eben die
Geschichte des Ganzen zusammen bauen. Der kranke König von
Preußen, Friedrich Wilhelm IV., verweilte mit seiner Gemahlin,
dieser erhabenen Frau des Duldens und der Liebe, ähnlich der
unvergeßlichen Luise, im Palast Caffarelli am Forum von Rom. Es
war das Herz durchschneidend gewesen, als der König, das Opfer
seiner Treue für den vorangegangenen Schwager, von seinem Volke
schied, um schon damals fast willenlos nach dem Süden
geführt zu werden, nicht Heilung, sondern nur Linderung seines
Zustandes erhoffend, – von seinem Volke, für das er so viel
gethan, und das seinem willigen Herzen mit so traurigen Erfahrungen
gelohnt hatte. Sein größter, fast sein einziger Fehler war
ja doch nur seine Güte und Liebe! Wir erinnern uns noch genau
bis in die kleinsten Details des Oktober-Morgens auf dem Anhalter
Bahnhof, als er schied. Eine Anzahl seiner Getreuen aus allen
Ständen, darunter viele offenbar geringe Leute, hatten sich
eingefunden, den scheidenden kranken Herrn noch einmal zu sehen und
ihm einen Abschiedsgruß zuzurufen. Der Salonwagen mit dem


-10     пред. Страница 1 из 465 след.     +10