Barthli der Korber - Jeremias Gotthelf - Страница 1 из 104


(1852) Im rueßigen Graben am südlichen Abhang hing ein
kleines Häuschen. Man begriff nicht, warum es noch da hing und
nicht längst den Graben hinuntergerutscht, denn es machte akkurat
die Figur eines Menschen, der in vollem Lauf einen Berg
hinuntergesprungen, plötzlich die Beine verstellt, stillhalten
will und nicht recht kann. Wenn man das Dach betrachtete, so kam es
einem vor, als höre man den Wind pfeifen, als kriege man
Stöße. Es sah aus wie der Sack eines Bettlers, der das
Flicken übel nötig hätte, jedoch bei allem Flicken
immer ein Bettlersack bleiben wird. Die kleinen Türen zu
Ställchen und Tenn stunden alle schief nach einem ganz eigenen
Baustil. Hinter dem Hause fand man, wenn er nämlich nicht gerade
zu Nutzen angelegt war, einen kleinen Düngerhaufen ungefähr
von Gestalt und Größe eines ansehnlichen Zuckerstockes. Vor
dem Hause war ein Gärtchen, in welchem eilf Mangoldstauden ihre
breiten, ausdruckslosen Gesichter sonneten, sieben Bohnenstauden
kühn an gebrechlichen Stecken hingen, zwischen denen zwei
blühende Rosenstöcke gar freundlich hervorblickten. Um
dasselbe lagen im Frieden die Gerüste eines ehemaligen Zaunes,
harrend einer helfenden Hand zum Auferstehen. Im Häuschen
wohnten hinten eine Ziege und ihr Zieglein. Es war eine stattliche
Ziege. Achtungsgebietend trug sie ihr Haupt, und in glänzendem,
zottigen Felle ging sie würdigen Schrittes einher, während
hinter ihr her, gleichsam der Hanswurst, das Töchterlein


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