Das Erdbeeri Mareili - Jeremias Gotthelf - Страница 1 из 66


(1850) Peter Hasebohne, Hase-Peter genannt, war noch nicht lange
in der Gemeinde Holderberg und schon Gerichtsäß geworden.
Er hielt sehr viel darauf, und eher hätte der Sonntag gefehlt als
Peter Hasebohne in der Kirche. Damals hielt man dafür, und jetzt
noch täte man wohl daran, der, dem seine Nachbarn ein Ehrenamt
anvertrauten, der sei vor aller Welt als Ehrenmann gestempelt und
besiegelt. Je höher man das Geld schätzt, desto geringer
schätzt man die Ehre, vide Exempel an Völkern und Menschen!
Je gieriger man nach bezahlten Ämtern jagt, desto geringer
schätzt man und desto mehr verlacht man Ehrenämter, und wer
einen wohlbezahlten Posten kriegt, wird siebenmal hochmütiger als
früher ein Ehrenmann bei seinem Ehrenamt. Ein
Gerichtsäß mußte in seinem Bezirke versiegeln, wo
nämlich etwas zu versiegeln war. Eines Morgens ward Peter
Hasenbohne in den Tschaggeneigraben gerufen. Das Erdbeeri Mareili sei
gestorben, er müsse versiegeln, so lautete die Botschaft. Im
Tschaggeneigraben war er noch nie gewesen; vom Erdbeeri Mareili hatte
er wohl so im Vorbeigehen gehört, kannte aber weder dessen
Umstände noch dessen Person. Die Versäumnis kam ihm
ungelegen, er brummte, was es sich nötig hätte, bei solchen
Personen zu versiegeln. Indessen Peter Hasebohne ging; denn er war ein
Mann, der sein Amt zu hoch hielt, um dessen Pflichten zu
versäumen. Er machte zwar keine Gesetze, alle Tage andere nach


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