Der Besuch - Jeremias Gotthelf - Страница 1 из 50


Sommer wars, nach dem Heuet ungefähr, denn die Wiesen waren
frisch gemäht, und im Felde stund noch das Korn. Gegen Abend
gings, aber noch brannte die Sonne heiß, und dunkle Wolken
stocketen am Himmel. Da saß auf einem Abweissteine an einer
staubichten Landstraße ein junges Weib, hatte ein Kind an der
Brust, und ein Kinderwägelchen stund vor ihr. Es war offenbar
kein arm Weib, denn im Wägelchen war schönes, reines
Bettzeug, und es selbst trug ländliche Tracht, zwar nicht
hoffärtige, aber reiche, und doch schien es unglücklich;
denn so munter, als der Bube auf seinem Schoße sog, ebenso stark
weinte es gar bitterlich. Als der Junge endlich seinen Durst gestillt,
wischte es, so gut es ging, die Tränen ab, packte ihn
sorgfältig ins Wägelchen und zog fürbaß, aber
mühsam, offenbar ermatteten Schrittes. Das war eine junge
Baurenfrau, die Frau des Sohnes des Tanzbodenbauers, welche heimwollte
zum Besuch über den Sonntag; denn es war Samstagsnachmittag.
Stüdeli war da aus den Dörfern herauf, wie man im Emmental
zu sagen pflegt, hatte auf dem Tanzboden sich eingemannet. Der
Tanzboden ist dem Weibervolk sonst ein sehr beliebter Aufenthaltsort,
wie bekannt, und dieser Tanzboden, von dem hier die Rede ist, noch
dazu ein recht schöner Hof und der Bauer nicht verschuldet und
doch Stüdeli da oben nicht wohl; denn das Heimweh wollte ihns
nicht loslassen. Wenn schon nicht die Worte, so doch die Töne
klangen ihm immer und immer im Herzen: »Herz, mys Herz, warum so


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