Der Geltstag - Jeremias Gotthelf - Страница 1 из 493


oder
Die Wirtschaft nach der neuen Mode
Erstes Kapitel Die Gräbt Kläglich
wimmerte das Glöcklein aus dem niedern Türmchen der Kirche
zu Uefligen. Auf dem Kirchhofe stand ein Mann und legte Stricke
über ein offenes Grab; um den Kirchhof herum schwärmte die
der Schule entlassene Jugend, die nicht gerne heimgeht, wenn was zu
sehen ist im Dorfe, sei es eine Hochzeit, sei es ein Leichenzug. Der
Neugierde ist alles eins. «Du, wen begraben sie
heute?» fragte eine vorübergehende Frau eine andere, welche
mit den Händen unter dem Fürtuche schlotterend dastand. Es
schien eine kränkliche Frau, um guten Lohn wäre sie nicht im
kalten Winde gestanden. Sie möchte es nicht erleiden, hätte
sie gesagt, sie sei gar gliedersüchtig und es fehle ihr sonst
noch viel. Aber wenn der Gwunder ins Spiel kam, da achtete sie alles
nicht, und Keine mochte mehr Kälte und Wind, Hitze und Staub
erleiden wie sie. «E», antwortete die Angeredete,
«weißt du das nicht, und reden doch alle Leute davon? Habe
gemeint, es sei niemere auf der Welt, der das nicht schon
wisse.» «Kein Sterbeswörtli habe ich
gehört», entgegnete die Erste. «Weißt de nit,
dr Wirt uf dr Gnepfi ist gstorbe, u mi bigrabt ne hüt.»
«Nit müglich», sagte die Erste, «den sah ich ja
erst letzten Samstag vor acht Tagen zu Solothurn und da ist er noch
ganz lustig und hellauf gewesen, hat beim ›Storchen‹


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