Der Notar in der Falle - Jeremias Gotthelf - Страница 1 из 48


Städtchen sind in der Regel ganz allerliebst. Gewöhnlich
liegen sie an einem Bache, dem es so wohl im Städtchen ist,
daß man nicht weiß, läuft er nach Westen oder nach
Osten; sie sind statt mit Wällen und Graben mit kleinen Scheuern
und großen Düngerhaufen umgeben, wenn man es nicht
vorzieht, dieselben mitten im eigenen Schoße, das heißt im
Städtchen selbst zu behalten. Die Menschen darin sind
allerliebst, nicht über eine Form geschliffen, sondern jeder
trägt sein eigen Gepräge, allgemein ist bloß,
daß die Mädchen zumeist zärtlich sind und guten
Herzens, die jungen Herren aber etwas hölzern und nicht fein
gehobelt, haben aber auch schrecklich viel Liebe im Leibe, heiraten
daher gewöhnlich sehr jung; tun sie es nicht, so müssen sie
von morgens früh bis abends spät schrecklich viel
Flüssiges in den Leib gießen, um nicht zu verbrennen.
Manchmal gießen sie als Ehemänner die doppelte Portion sich
ein, wahrscheinlich damit die Frau an ihrer Liebe nicht verbrenne.
Das Städtchen, von welchem wir reden wollen, lag aber nicht an
einem Bache, sondern an einem Flusse, aber die Mädchen waren
deswegen nicht weniger zärtlich, die Herren nicht gehobelter und
weniger durstig. Das Städtchen hatte eine wunderschöne Lage,
mancher Düngerhaufen hatte einem schönen Hause Platz machen
müssen, auf die schönen Häuser tat man sich viel zu
gut, der Natur daneben frug man wenig nach, ausgenommen wenn sie sich


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