Der Oberamtmann und der Amtsrichter - Jeremias Gotthelf - Страница 1 из 107


Erzählung (1853) Es war ein schöner Herbsttag; der rote
Apfel im grünen Laube, die langen Reihen auf großen
Äckern, wahre Schatzgräber, die aus dem Boden schlugen die
rauhen Kartoffeln, wichtiger der Menschheit als Silber und Gold, der
Sämann, der mit ernstem Gesichte und langen, gemessenen Schritten
den Samen strömen läßt aus kundiger Hand, bezeugen es,
daß man in die dritte Zeit des Jahres gekommen. Wer mit rechtem
Auge einen Sämann schreiten sieht über den dunkeln Acker,
dem rieselt Ehrfurcht in die Seele, mahnt sie ans Beten, weil nahe sei
das unsichtbare Wesen, zu dem man in allen Zungen betet und mit keinem
Auge es sieht. Der Sämann mahnt nicht bloß an das
Evangelium und den Sämann, der das ewige Wort aussät, das in
gutem Grunde hundertfältig Frucht trägt, Frucht, die zum
ewigen Leben die Seelen speiset, der Sämann ist ein Gehülfe
Gottes, und neben ihm wandelt Gott. Der Handwerksmann kauft sich den
Stoff zu einem Geräte, schafft daran, bis er fertig ist, oft mit
selbstgemachtem Werkzeuge, und was seine Hand gemacht, verkauft er
wieder oder liefert dem Besteller es ab zur bestimmten Zeit, das
heißt, je nachdem er sein Wort gab oder nicht. Der Schuhmacher
nimmt vom Gerber das Leder, setzt sich in seine Werkstatt,
unabhängig von Wind und Wetter; scheint ihm die Sonne nicht,
zündet er die Lampe an, und das Paar Schuhe, welches er am Morgen
angefangen, ist, wenn ers kann, am Abend fertig. Er ist


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