Die schwarze Spinne - Jeremias Gotthelf - Страница 1 из 124


Über die Berge hob sich die Sonne, leuchtete in klarer
Majestät in ein freundliches, aber enges Tal und weckte zu
fröhlichem Leben die Geschöpfe, die geschaffen sind, an der
Sonne ihres Lebens sich zu freuen. Aus vergoldetem Waldessaume
schmetterte die Amsel ihr Morgenlied, zwischen funkelnden Blumen in
perlendem Grase tönte der sehnsüchtigen Wachtel
eintönend Minnelied, über dunkeln Tannen tanzten
brünstige Krähen ihren Hochzeitreigen oder krächzten
zärtliche Wiegenlieder über die dornichten Bettchen ihrer
ungefiederten Jungen. In der Mitte der sonnenreichen Halde hatte
die Natur einen fruchtbaren, beschirmten Boden eingegraben; mittendrin
stand stattlich und blank ein schönes Haus, eingefaßt von
einem prächtigen Baumgarten, in welchem noch einige
Hochäpfelbäume prangten in ihrem späten Blumenkleide;
halb stund das vom Hausbrunnen bewässerte üppige Gras noch,
halb war es bereits dem Futtergange zugewandert. Um das Haus lag ein
sonntäglicher Glanz, den man mit einigen Besenstrichen,
angebracht Samstag abends zwischen Tag und Nacht, nicht zu erzeugen
vermag, der ein Zeugnis ist des köstlichen Erbgutes angestammter
Reinlichkeit, die alle Tage gepflegt werden muß, der
Familienehre gleich, welcher eine einzige unbewachte Stunde Flecken
bringen kann, die Blutflecken gleich unauslöschlich bleiben von
Geschlecht zu Geschlecht, jeder Tünche spottend. Nicht
umsonst glänzte die durch Gottes Hand erbaute Erde und das von


-10     пред. Страница 1 из 124 след.     +10