Eine alte Geschichte zu neuer Erbauung - Jeremias Gotthelf - Страница 1 из 32


Erzählung (1849) Es wechselt die Gestalt des Himmels. Heute
scheint aus tiefblauem Grunde die goldene Sonne, auf milder Winde
leisem Hauche wiegen sich und schwimmen Ströme ihres freundlichen
Lichtes auf die errötende Erde nieder; morgen ist der blaue Grund
ein ungeheurer Schoß schwarzer Wolken geworden, Hagel, Schnee
und Regenfluten brechen aus den unergründlichen Schlünden,
und wilde Stürme peitschen sie nieder auf die trübselige
Erde. Wenn am blauen Himmel keine Wolke geht, in der Sonne Gold die
bräutliche Erde glänzt, jeder Baumzweig von blühenden
Hoffnungen schwellt, und das Auge des Menschen würde
wonnetrunken, und seine Seele würde loben den Herrn, weil seine
Hand die wüsten Wolken verzehrt, die Erde mit Pracht
geschmückt, mit Hoffnungen gesegnet, weil sein Ratschluß
endlich Sturm und Wechsel aufgehoben und das Schöne bleibend
gemacht unter dem Himmel: so würde der Herr, der die Sonne
hinausführt aus der Morgenröte gleich einem Bräutigam
aus seinem Gezelte, der verschlossen hält die Winde in ihren
Kammern, und dessen Hand die Wolken ballt, dem Wechsel rufen, dem
törichten Menschenkinde das Eitle seines Lobes zeigen und ihm
predigen im Sturmwinde, daß das Bleibende nicht hienieden zu
suchen sei, und daß der, der die Natur geschaffen, die Natur
nicht ändere, denn was er getan, ist wohlgetan. Dieses Gesetz des
Wechsels erstreckt sich über alles, was unter dem Himmel ist,


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