Elsi die seltsame Magd - Jeremias Gotthelf - Страница 1 из 39


(1843) Reich an schönen Tälern ist die Schweiz; wer
zählte sie wohl auf? – In keinem Lehrbuch stehn sie alle
verzeichnet. Wenn auch nicht eins der schönsten, so doch eines
der reichsten ist das Tal, in welchem Heimiswyl liegt, und das
oberhalb Burgdorf ans rechte Ufer der Berner Emme sich mündet.
Großartig sind die Berge nicht, welche es einfassen, in
absonderlichen Gestalten bieten sie dem Auge sich nicht dar, es sind
mächtige Emmentaler Hügel, die unten heitergrün und
oben schwarzgrün sind, unten mit Wiesen und Äckern
eingefaßt, oben mit hohen Tannen bewachsen. Weit ist im Tale die
Fernsicht nicht, da es ein Quertal ist, welches in nordwestlicher
Richtung ans Haupttal stößt; die Alpen sieht man daher nur
auf beiden Eggen, welche das Tal umfassen, da aber auch in heller
Pracht und gewaltigem Bogen am südlichen Himmel. Herrlich ist das
Wasser, das allenthalben aus Felsen bricht, einzig sind die
reichbewässerten Wiesen und trefflich der Boden zu jeglichem
Anbau; reich ist das Tal, und schön und zierlich die Häuser,
welche das Tal schmücken. Wer an den berühmten Emmentaler
Häusern sich erbauen will, der findet sie zahlreich und
ausgezeichnet in genanntem Tale. Auf einem der schönen
Höfe lebte im Jahre 1796 als Magd Elsi Schindler (dies soll aber
nicht der rechte Name gewesen sein); sie war ein seltsam Mädchen,
und niemand wußte, wer sie war, und woher sie kam. Im
Frühjahr hatte es einmal noch spät an die Türe


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