Gedichte - Johann Christian Günther - Страница 1 из 77


schickte Selene, was mich stets ergötzt,
Das ist die Freiheit, dir zu dienen,
Und was ich hier auch aufgesetzt,
Entdeckt ein wohlgemeint Erkühnen.
Die Krankheit, so die jetzo droht,
Erschreckt mich ärger, als du denkest;
Doch, wo du mir Erhörung schenkest,
So hat der Anstoß keine Not. Ich weiß es
zwar, dein hoher Geist
Vermag sich allemal zu fassen,
Und wie sein Wesen himmlisch heißt,
So kann er leicht die Welt verlassen;
Allein du kannst zu jeder Zeit
Noch früh genug zum Engel werden,
Und also gönne doch der Erden
Den Schmuck von deiner Seltenheit. Bedenke doch nur den
Verlust,
Wofern ein früh Verhängnis wollte,
Daß so viel Schönheit kluger Brust
In besten Jahren sterben sollte!
Laß die getrost zur Grube gehn,
Die Freude, Witz und Mut verlieren;
Du sollst hinfort von neuem spüren,
Wie artig frische Myrten stehn. Du bist ja sonst so
sehr bemüht,
Dich nett und kostbar anzukleiden;
Denn wenn dich deinesgleichen sieht,
So hört und sieht man dich beneiden;
Jedoch bei aller dieser Tracht,
Du magst sie noch so schön ergründen,
Ist doch kein besser Kleid zu finden
Als was dir die Natur gemacht. Trag Sorge für den
schönen Leib


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