Gedichte - Johann Wilhelm Ludwig Gleim - Страница 1 из 354


      »Tod, was stehst du vor der
Thür?
Hast nicht nöthig anzupochen,
Nur herein und sprich mit mir,
Hast mit mir schon oft gesprochen. Hab' ich dich als
einen Feind
Angesehn, dich je gescheuet?
Wie ein Freund auf einen Freund
Hab' ich mich auf dich gefreuet! Nur herein! du siehst
an mir
Keine furchtgebleichte Wangen!«
Sprach's! – Er ging und ist zur Thür
Meines Nachbars eingegangen! Johann Wilhelm
Ludwig Gleim Athamas        
Der feinen und der grossen Welt
Will Athamas gefallen;
Deßwegen kriecht er, und gefällt
Den Königen, und allen
Hofdamen, allen Kammerherrn,
Und allen Edelknaben,
Und allen, die sich einen Stern
Auf's Herz erschmeichelt haben,
Und allen Stutzern, groß und klein,
Mit Muffen und mit Kragen,
Und allen Listigen, die fein
Viel denken, wenig sagen,
Und allen Zechern, die sich da
Mit ihm zu Narren trinken,
Und allen Narren, allen, ja!
Die fein und groß sich dünken,
Und eben darum, was er spricht,
Beyfällig wiederhallen;
Mir aber, mir gefällt er nicht,
Und wird mir nie gefallen;
Denn alle, welchen er gefällt,
Täuscht er mit seinem Scheine,
Und seine feine, grosse Welt
Ist mir die falsche, kleine. Johann Wilhelm


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