Briefwechsel mit seiner Frau. Band I - Johann Wolfgang von Goethe - Страница 1 из 415


daß man sich von denen entfernt, die man liebt, die Zeit geht
hin und man findet keinen Ersatz. Wir sind in Gotha angelangt, und ich
denke bald wieder weg zu gehen, ich habe nirgends Ruhe. Meyer wird Dir
erzählen, wie ich gleich in Erfurt bin von Wanzen gequält
worden und wie ich mich auch hier vor der Nacht fürchtete. Da
sind die Zimmerleute besser, die doch nur Morgends pochen. Ich bin
aber wohl und hoffe, es soll mir noch wohler werden, wenn ich erst
einmal Eisenach im Rücken habe. Von hier schicke ich Dir nichts
als den schönsten Gruß und die Versicherung, daß ich
Dich sehr liebe. Von Frankfurt soll aber bald das zierlichste
Krämchen ankommen. Lebe wohl, liebe mich, halte alles gut in
Ordnung und küsse den Kleinen. Gotha, den 9. August 1792.
G.   2. Goethe Frankfurt, den 17. August 1792.
Heute hab ich Deinen Brief erhalten, meine liebe Kleine, und schreibe
Dir nun auch, um Dir wieder einmal zu sagen, daß ich Dich recht
lieb habe, und daß Du mir an allen Enden und Ecken fehlst.
Meine Mutter habe ich wohl angetroffen und vergnügt, und meine
Freunde haben mich alle gar freundlich empfangen. Es gibt hier
mancherlei zu sehen, und ich bin diese Tage immer auf den Beinen
geblieben. Meine erste Sorge war das Judenkrämchen, das morgen
eingepackt und die nächste Woche abgeschickt wird. Wenn es
ankommt, wirst Du einen großen Festtag feiern, denn so etwas
hast Du noch nicht erlebt. Hebe nur alles wohl auf, denn einen solchen


-10     пред. Страница 1 из 415 след.     +10