Briefwechsel mit seiner Frau. Band II - Johann Wolfgang von Goethe - Страница 1 из 372


Daß uns die liebe Mutter noch als Genien in Worten und
Werken erkennt, freut mich recht sehr. Es ist mehr als jemals
nöthig, genialisch zu sein, wenn man nur einigermaßen leben
und sich des Lebens erfreuen will. Daß meine liebe Frau
glücklich angekommen, war mir sehr beruhigend zu vernehmen. Der
Brief, der mir es meldet, kam ganz genau zur Stunde. Er überzeugt
mich von dem, was ich voraussah, daß die Zusammenkunft
erfreulich sein würde. Wegen künftiger Abenteuer werde
ich wohl in Karlsbad ein Paar hübschere Pistolen kaufen
müssen, die gegenwärtigen sind doch etwas zu colossal.
Auf die Erzählung des Vergangenen freue ich mich. Zum Schreiben
mag sich unter den gegenwärtigen Umständen wenig
Zeit finden. Dagegen will ich mit meinen Nachrichten etwas
umständlicher sein. Denn ich halte dafür, wenn man lange
auseinanderbleibt, so soll man sich wechselseitig um das Detail des
Lebens nicht bekümmern. Hofft man sich aber bald wiederzusehen,
so ist es gut, nicht aus dem Zusammenhange zu kommen. Zuerst
also muß zum Lobe der Köchin gesagt werden, daß sie
ihre Sachen vortrefflich macht, gute Waare ankauft und sie mit
Sorgfalt zubereitet, sodaß wir es uns jeden Mittag können
wohlschmecken lassen. Am Grünen Donnerstag hatten wir uns
Kohlsprossen bestellt und Honig zum Nachtisch, um dieses Fest recht
würdig zu feiern. August hatte selbst Eier roth und hart
gesotten. Dieser Satz nachträglich am Rande. Da die


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