Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe, Band 1 - Johann Wolfgang von Goethe - Страница 1 из 609


Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe – Erster Band
Stuttgart. Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 1881
An Seine Majestät den König von
Bayern. Allerdurchlauchtigster,
Allergnädigst regierender König und Herr, In
Bezug auf die von Ew. Königl. Majestät zu meinem
unvergeßlichen Freunde gnädigst gefaßte Neigung
mußte mir gar oft, bei abschließlicher Durchsicht des mit
ihm vieljährig gepflogenen Briefwechsels, die Ueberzeugung
beigehen: wie sehr demselben das Glück, Ew. Majestät
anzugehören, wäre zu wünschen gewesen. Jetzt da ich
nach beendigter Arbeit von ihm abermals zu scheiden genöthigt
bin, beschäftigen mich ganz eigene, jedoch dieser Lage nicht
ungemäße Gedanken. In Zeiten, wenn uns eine wichtige,
auf unser Leben einflußreiche Person verläßt, pflegen
wir auf unser eigenes Selbst zurückzukehren, gewohnt nur
dasjenige schmerzlich zu empfinden, was wir persönlich für
die Folge zu entbehren haben. In meiner Lage war dieß von der
größten Bedeutung: denn mir fehlte nunmehr eine innig
vertraute Theilnahme, ich vermißte eine geistreiche Anregung und
was nur einen löblichen Wetteifer befördern konnte.
Dieß empfand ich damals auf's schmerzlichste; aber der Gedanke,
wie viel auch Er von Glück und Genuß verloren, drang sich
mir erst lebhaft auf, seit ich Ew. Majestät höchster Gunst
und Gnade, Theilnahme und Mittheilung, Auszeichnung und Bereicherung,


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