Die guten Frauen, als Gegenbilder der bösen Weiber, auf den Kupfern des diesjährigen Damenalmanachs - Johann Wolfgang von Goethe - Страница 1 из 33


Gegenbilder der bösen Weiber, auf den Kupfern des
diesjährigen Damenalmanachs Henriette war mit Armidoro schon
einige Zeit in dem Garten auf und ab spaziert, in welchem sich der
Sommerclub zu versammeln pflegte. Oft fanden sich diese beiden zuerst
ein; sie hegten gegen einander die heiterste Neigung und nährten,
bei einem reinen gesitteten Umgang, die angenehmsten Hoffnungen einer
künftigen dauerhaften Verbindung. Die lebhafte Henriette sah
kaum in der Ferne Amalien nach dem Lusthause gehen, als sie eilte ihre
Freundin zu begrüßen. Amalie hatte sich eben, im Vorzimmer,
an den Tisch gesetzt, auf dem Journale, Zeitungen und andere
Neuigkeiten ausgebreitet lagen. Amalie brachte hier manchen Abend
mit Lesen zu, ohne sich durch das Hin- und Widergehen der
Gesellschaft, das Klappern der Marken und die gewöhnliche laute
Unterhaltung der Spieler im Saale irren zu lassen. Sie sprach wenig,
außer wenn sie ihre Meinung einer andern entgegen setzte;
Henriette hingegen war mit ihren Worten nicht karg, mit allem
zufrieden, und mit dem Lobe frisch bei der Hand. Ein Freund des
Herausgebers, den wir Sinklair nennen wollen, trat zu den beiden.
Was bringen Sie Neues? rief Henriette ihm entgegen. Sie ahnen es
wohl kaum, versetzte Sinklair, indem er sein Portefeuille herauszog.
Und wenn ich Ihnen auch sage, daß es die Kupfer zum
diesjährigen Damenkalender sind, so werden Sie die
Gegenstände derselben doch nicht erraten; ja wenn ich weiter


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