Die Gottesfreundin - Karl Adolph Gjellerup - Страница 1 из 368


meiner Eugenia
widme ich dies Buch besonders
in Erinnerung an schöne in
der Heimat der Gottesfreundin
verbrachte Herbsttage
  Erstes Buch
Erstes Kapitel Das sarazenische Fläschchen.
Das Burgzimmer ist klein und beklommen. Ein gemischter,
häuslicher Geruch von Eingemachtem, frischer Wäsche,
Lavendel, Salbei, Gewürz und getrockneten Kräutern
erfüllt es. Durch das offenstehende Fenster dringt nur wenig Luft
herein, und die ist heiß und schwer, mit Rauchdunst beladen.
Die Frau, die an die zurückgeschlagenen Butzenscheiben gelehnt
steht – eine noch jugendlich-schlanke Gestalt – blickt in
das Tal hinaus, dessen regungslose weißgelbe Kornfelder etwa
eine halbe Meile entfernt von tannendunklen Hügeln
eingefaßt werden. Ein gemächlich dahingleitendes
Flüßchen durchzieht es in großen Schleifen.
Unten, wo die Felsmasse, auf der die Burg steht, steil
herabstürzt, drängen sich die Schindeldächer des
Städtchens zusammen. Im Schatten zweier mächtiger
Roßkastanien watet eine Brücke gar gewaltig auf steinernen
Pfeilern bis zur Mitte des Flußbettes hinaus, um dann dort, wo
die Flut im Sonnenlichte glitzert, auf Holzstelzen bescheiden das
diesseitige Ufer zu erreichen. wo das Wasser am
schattengrünsten ist, blinkt ein Goldstreifen – die
Spiegelung eines Wirtshausschildes, das sich hinter dem Laube


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