Das Urbild des Tartüffe - Karl Gutzkow - Страница 1 из 6


fünf Aufzügen. Vorwort. Aus den Intriguen, welche
die erste Aufführung des »Tartüffe« von
Molière verhindern sollten, einen neuen
»Tartüffe« zu bilden, hatte schon Goldoni versucht.
Ohne diesen Vorausgang unter den hundert Lustspielen und Possen des
Venetianers zu kennen, las ich das betreffende Stück erst, als
meine Arbeit bereits vielfach gegeben war. Der Richtung seiner Zeit
und den strengen Theatergesetzen eines Jahrhunderts gemäß,
wo in Rom die Frauenrollen noch von Männern gespielt wurden,
hielt sich Goldoni, ohne die Heuchelei im Lichte seiner Zeit
schärfer auszuführen, an dieselbe enge Familiensphäre,
in welcher sich der Scheinheilige bei Molière bewegt. Seine
Wiedergabe der Molièreschen Fabel scheint mir frostig zu sein.
Vorstehendes Lustspiel wurde im Sommer 1844 geschrieben und nahm
seine nächste Veranlassung aus dem Geist und den Kämpfen der
damaligen Zeit. Am Bundestage, in Oesterreich, in Sachsen, in
Preußen waren die Bücher-, Zeitungs- und Dramenverbote an
der Tagesordnung. Rücksichtslos gingen die polizeilichen
Maßnahmen über die Lebensinteressen der Autoren hinweg.
Eine kalte, mumienhaft vertrocknete Praxis der Censurbehörden
kümmerte sich um keine Bitte, keine Versicherung, die
Harmlosigkeit der ihnen vorgelegten Erfindungen betreffend; in
Preußen herrschte eine Koterie höherer Polizei- und
Regierungsbeamten, deren oberster Chef, Tzschoppe, mit fixen, man


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