Der Sadducäer von Amsterdam - Karl Gutzkow - Страница 1 из 80


Glückliche Juden, die ihr zwischen Hollands Poldern und Deichen
euer Asyl suchtet! Habt ihr je in der Fremde euer Passahlamm in
solcher Ruhe genossen und zu den Laubhütten so viel Zweige von
den Bäumen brechen dürfen, als an dem Meerbusen IJ? So
lustig rauchten nirgends eure Schornsteine bei der Paraskeue am
Vorabende des Sabbaths; so reich verbrämte Talare durften die
Männer, so schwere goldene Ketten und Ohrgehänge eure Weiber
nur in Amsterdam tragen. Die Holländer fürchteten sich weder
vor eurem Gelde, noch vor euren Bärten, noch vor euren
schönen Töchtern, noch vor Jehova, der sich prächtige
Tempel in ihrem Lande baute und mit Wachskerzen, unartikulirten
Tönen, ja selbst mit recht unduldsamen, ketzersüchtigen und
orthodoxen Priestern und Leviten verehrt wurde. Es war in der
ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts, in einer der
Straßen, die von dem großen Kai zu Amsterdam auslaufen, in
einem stattlichen Hause, das sich vor Niemanden versteckte, aber schon
spät, bei eingebrochener Nacht, daß vielleicht die
sorgsamste und ehrwürdigste der jüdischen Mütter mit
dreien von ihren Söhnen zusammensaß. Welch prachtvolle
Umgebung! Welche sonderbare Verbindung des orientalischen und
holländischen Geschmacks: in Vorhängen, Sophas,
Rauchpfannen, der weitfaltige, elastische, sinnliche Orientalismus, in
allem übrigen Zubehör eines großartigen
Gesellschaftszimmers die nette, barocke, chinesische Eleganz des


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