Der Zauberer von Rom, 2. Buch - Karl Gutzkow - Страница 1 из 353


Strom zu nennen, auf dem soeben ein in erster Morgenfrühe
ausgefahrener Dampfer seine schäumenden Furchen zieht,
drängt es unser ganzes Herz. Sei aber nur von ihm gesagt.
daß er, von den ersten Frage- und Ansrufungszeichen seiner
Alpen-Jugend an bis zu den letzten versandenden Gedankenstrichen und
Stirnrunzeln des Alters, groß und bedeutsam ist wie das
Menschenleben selbst. Es ist ein schöner Sommertag. Wie
grüßen uns hellblinkend die Zinnen der Thürme, die
rings auf hohen Felsenufern ragen! Wie schlägt die Welle an Wehre
und Buchten! Wie kräuselt sich über gesprengtem Felsenriff
im offenen Bett spielend jetzt die Woge, wo sonst die Strömung
tödtliche Opfer forderte! In diese grüne Gegenwart ringsum,
in diese blaue über uns, in dies Singen und Rufen von den
Gestaden, in dies Läuten von uralten Thürmen in grauen
Städten und Weilern spricht Sage und Geschichte so lebendig
hinein, so gegenwärtig, als wenn auf den Kanten der Felsen immer
noch die verlockenden Geisterjungfrauen säßen und ihre
goldenen Locken im Mondlicht strählten, auf den Söllern
immer noch die Ritterfräulein mit ihren Schärpen winkten,
die sie dem Kämpen zum Lohne gestickt, immer noch der schwere
Tritt der schellenbehangenen Rosse, der vom Felsen drüben zum
Felsen hüben das Echo weckt, von einem Banner 4 Geharnischter
kommen könnte, nicht von den Fuhrleuten mit ihren
zweirädrigen Karren und den an den Stirnen mit einer großen


-10     пред. Страница 1 из 353 след.     +10