Der Zauberer von Rom, 3. Buch - Karl Gutzkow - Страница 1 из 402


Von einer nach dem Hofe hinaus arbeitenden Handwerkerfamilie hatte
Benno von Asselyn drei auf einen kleinen, von einem belebten Brunnen
geschmückten Winkelplatz hinausgehende Vorderzimmer gemiethet.
Eines, einfenstrig, war sein Schlaf-, die andern, zweifenstrig, waren
Wohn-, Arbeits-, Empfangszimmer, je nachdem. In einem derselben stand
ein hoher Schrank mit einer Anzahl von Fächern. Hier häuften
sich die Acten der ihm von Dominicus Nück zugewiesenen Processe;
auch schon manche Fascikelchen der ihm bereits auch aufblühenden,
freilich noch an den schützenden Namen und die Unterschrift
seines Principals gebundenen ersten Frühlingssprossen einer
»eigenen Praxis«. Im »Wohnzimmer«, dieser
Charakter konnte dem mittlern Zimmer nicht bestritten werden,
ließ Benno zuweilen schon in den Früh- und
Nachmittagsstunden manche Partei warten, die über ein paar
empfangene Ohrfeigen oder ein paar unbezahlt gebliebene Beinkleider
seinen Rath begehrte und von ihm nach Abfertigung eines
»pressantern« Clienten mit staatsmännisch bedeutsamer
Miene gebeten wurde, sich auf einem Sopha von ehrwürdig altem
schwarzen, »geflammten« Merino (zu diesen Flammen war hier
und da schon der entschiedenere Brand einer etwas vergeßlich
gerauchten Cigarre gekommen) oder auf einem wirklich prachtvoll
glänzenden rothsaffianen Sessel auszuruhen, welchen Phönix
seines ihm 4 theilweise eigenthümlich angehörenden Mobiliars
ihm Thiebold de Jonge verehrt hatte. Phönix oder Kolibri: der


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