Der Zauberer von Rom, 6. Buch - Karl Gutzkow - Страница 1 из 378


Wer konnte sonst die Namen Oesterreich und Wien nennen hören und
vernahm nicht sofort Musik! Auch jetzt noch, wenn dich mit
Windesflügeln von der Elbe bis an die Donau das Dampfroß in
einem einzigen Tage geführt hat, grüßen den haltenden
Zug mitten auf der Heide, selbst bei Nacht, zwei Stationen vor der
Ankunft in Wien, Clarinette und Geige. Der Sturmwind fegt den
Herbstregen an die Fenster der Waggons. Du blickst durch die
beschlagenen Scheiben – nichts, als öde gespenstische Nacht
vor dem Auge – und doch empfängt dich Jubel und
Lust –! Dazu denn vielleicht ein seltsames Bild: Auf einen
Stab gestützt, am Rand des Erdwalls, starrt ein Schäfer im
zottigen Lammfell auf den haltenden Zug – ein Wanderhirt, der
aus Ungarn kommt und mit seiner nächtlich rastenden Heerde weiter
zieht –! Es ist ein Bild der österreichischen
Geschichte. Einsame Nachtträume der Völker, sich still am
Wege nach Erfüllung sehnend – unter lachender Lust und
Freude. Auch am Donaustrand – wispert es gleichfalls leise,
leise um die alten Ritterburgen. Klagelaute um versunkene Banner und
Kronen –! Was liegt nicht im feuchten Schose der Donau
begraben! Was konnte sich auch da nicht melden zur Wiederaufstehung
unter dem nächtlichen Sternenhimmel! Ist es doch hier oft, als 4
wenn auf den düstern Bergwänden ringsum die
Geisterjungfrauen geheimnißvoll begännen ihre Harfen zu
schlagen! Von Tirol und Salzburg, aus den sagenhaften Schluchten


-10     пред. Страница 1 из 378 след.     +10