Der Zauberer von Rom, 7. Buch - Karl Gutzkow - Страница 1 из 379


In Rom liegt jenseit der Tiber, auf dem Berge Janiculus, das
Kloster San-Pietro in Montorio. Vor einer zu demselben gehörenden
Kirche, deren erste Anlage sie den urältesten zurechnet,
genießt man eine der schönsten Aussichten über die
Siebenhügelstadt und die Campagna. In nächster Nähe
schwimmt, von Abendnebeln durchzogen, das unermeßliche
Häusermeer, durchschnitten von den Krümmungen der Tiber.
Zahllose Kirchen ragen auf, Paläste, das Capitol, mit seinen
Trümmern aus der eisernen Römerzeit, die Engelsburg, auf der
Zinne mit dem St.-Michael, der sein Schwert senkt. Ein Bild,
groß und herrlich, wie die Vision einer
Verheißung –! Der erste Gedanke jedes Pilgers,
der in Rom ankommt, ist die welthistorische Macht der christlichen
Idee. Schon von dem Fuß der Alpen her begleiten ihn die Schauer
der Erinnerung an die blutige Märtyrerzeit. In Rom endlich
angekommen, sieht er die Triumphe des Kreuzes. Kein Tiberius, Nero und
Domitianus beherrschen noch das Universum. Die Vexillen und blutigen
Fasces der Imperatoren, unter denen die Bekenner Christi verspottet,
gefoltert, den wilden Thieren vorgeworfen wurden, sind zerrissen,
zerbrochen. Vom tarpejischen Felsen stürzte jetzt der
capitolinische Jupiter selbst; den Rand seines zurückgebliebenen
Sessels ziert das Kreuz. Das Kreuz triumphirt über Cicero, 4
Cato, August, Seneca –! Es triumphirt ohne Rache; denn
St.-Michael auf der Engelsburg hält sein Schwert nicht drohend


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