Der Zauberer von Rom, 8. Buch - Karl Gutzkow - Страница 1 из 483


mit fünf Rossen bespannter Reisewagen windet sich mühsam die
Höhen eines kahlen Gebirges hinan. Es ist die Straße, die
von Nizza über den Col de Tende nach Piemont führt.
Kreidige Felsen, Reste vulkanischer Zerstörungen, heben sich
schimmerndhell vom tiefblauen Himmel ab. Immer lebloser wird die
Vegetation, je näher man dem höchsten Kamm der Seealpen
kommt, die sich vom mächtigen Rückgrat der Schweizer und
Savoyer Alpen abzweigen. Noch jetzt, am Ende des Juni, liegt in
einzelnen versteckten Spalten, die ein schneidend scharfer Wind
bestreicht, Schnee. Von Sospello waren die Passagiere zeitig
aufgebrochen. Sie hatten Vorspann nehmen müssen. Bald
verließen sie den Wagen, um den Pferden die Last zu erleichtern.
Drei rüstig zuschreitende Frauen schienen an Anstrengungen
gewöhnt. Ein Kind, das bald ermüdete, ließ man wieder
einsitzen. Die beiden Männer schritten anfangs mit wetteifernder
Ausdauer. Bald aber ermüdete auch von ihnen der eine. Ein
heftiger Husten zwang ihn, öfters still zu stehen. Die
übrigen machten ihm Vorwürfe über die Anstrengungen,
die er sich zumuthete. Er lächelte eine Weile, schüttelte
den Kopf, deutete an, es würde gehen, aber zuletzt zwang man ihn,
in den Wagen zu steigen. In einen grauen Leibrock mit
Metallknöpfen gekleidet, schien er 4 ein Diener zu sein –
ein darüber gezogenes weißes Staubhemd flatterte im Winde.
Im Wagen nahm er das etwa dreijährige Kind, ein heiteres,


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