Der Zauberer von Rom, 9. Buch - Karl Gutzkow - Страница 1 из 19


brausenden Donnerton des Wassersturzes in seinem traulichen Versteck.
Auch die ermüdete Menschenseele, Erquickung bedürfend, sucht
sich ihre Ordnung aus den Schrecken der Zerstörung sogar heraus,
sucht – und findet dann auch ihre alte, ihr so wohlbekannte
Gewöhnung an Freud' und Leid – selbst bei Sturm und
Ungewitter. Am Fuß eines alten unschönen Gemäuers
in Rom, die Pyramide des Cestius genannt und, der Inschrift zufolge,
das Grabdenkmal eines wohlhabenden – Kochs aus Kaiser Augustus'
Zeit, schmettert in die blaue sonnige Frühlingsluft eine
Nachtigall. Vielleicht würde die Sängerin der Haine
entfliehen, wenn sie die Fittiche der luftbewohnenden Nachtunholde,
das ringelnde Schleichen einer Schlange umkreisten – aber die
Wildheit der Menschen störte sie nicht. Kanonen donnern
–! Wilde Lieder erschallen –! Tausende von Menschen
üben sich im Dienst der Waffen – Die Nachtigall singt
dennoch ihre Klage unter den Rosenbüschen. Am Fuß des
alten Gemäuers breitet sich ein Kirchhof aus. Wohlgewählt
der Platz beim alten Cajus Cestius, Koch und vielleicht Gastwirth im
alten Rom –! Auch Herberge gab er vielleicht den Fremden
– den Griechen, Persern, Afrikanern. Sein Grundstück gibt
jetzt den Juden und Ketzern Herberge, wenn sie 194 in Rom ihr Auge
schließen. Diese Rosen und Lilien an dem alten Gemäuer, wo
die Nachtigall schlägt, gehören dem Kirchhof der
Protestanten. Rom ist in Waffen. Ein Dictator ist erstanden. Eben


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