Imagina Unruh - Karl Gutzkow - Страница 1 из 112


vergebens! Traumerguß –
Das Säuseln einer Linde!
Und was sie träumet – ach es muß
Verwehen in die Winde! 1. Wer in Italiens
gegenwärtigen Kunstzuständen heimisch ist, wird Gelegenheit
gehabt haben, daselbst dem unbestrittenen Ruhm einer deutschen
Malerin, der Gräfin Imagina von Wartenberg, zu begegnen. Sie ist
nicht etwa in den Galerien von Mailand, Florenz, Rom und Neapel
anzutreffen, wo sie, wie reisende Engländerinnen, durch ihre
Staffelei die berühmtesten, von ihnen copirten Gemälde dem
Publicum unzugänglich macht: vielmehr beruht ihr Ruf auf der
Ursprünglichkeit und freien, unmittelbaren, nicht nachahmenden
Eingebung ihres Talents. Ihre Erfindungen sind allgemein
gewürdigt. Und wenn sie in der Farbe auch bis zur Stunde noch zu
keiner so großen Meisterschaft hat vordringen können, wie
in der Zeichnung, so bewegt sich gerade ihre vorzüglichste
Stärke in jener Mittelsphäre zwischen Farbe und Kreide, wo
man die bunten Reize der erstern nicht mehr vermißt, ja sie
geradezu für eine Entstellung des Ahnungs- und Beziehungsreichen
halten würde, was die letztere andeutet. In Blätterwerk,
Arabesken, phantastischen Gruppirungen hat diese zarte weibliche Hand
so viel Liebliches hervorgebracht, daß man nur die sonderbare
Scheu und Aengstlichkeit beklagen muß, mit welcher die deutsche
Künstlerin ihre Arbeiten der Welt verschließt und nur
selten, nur vor ihr vertraut gewordenen Personen zu bewegen ist, ihre


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