Jean-Jacques - Karl Gutzkow - Страница 1 из 62


es in den Frühstunden eines nebligen Oktobertages durch eine der
dichtest bevölkerten Straßen von Paris. Rasch waren
Polizeisoldaten zur Hand. Wir schreiben 1750. Die Polizei von Paris
stand damals noch nicht auf jener Höhe, auf welche sie die
Gisquet und Persigny in Louis Philipps und Napoleons III. Tagen
gebracht haben. Doch alarmierte ein am hellen Tage und unter so
vielen Menschen ausgestoßener Hülferuf Häscher genug,
und die freiwillige Polizei, die zu spielen der rechtschaffene
Bürger immer aufgelegt ist, schloß sich sogleich in Scharen
an, die Verfolgung eines jungen Menschen zu unterstützen, der aus
einem Laden am Seine-Quai eine Uhr entweder gestohlen hatte oder hatte
stehlen wollen. Paris ist jenseits der Seine, wo der
Bürger, der Beamte, der Gelehrte, der Student wohnt, wo die
Gerichte und die Märkte gehalten werden, des Vormittags so
volkreich, daß ein Flüchtling bald unter der Masse
verschwindet, bald um eine Ecke der vielen alten
Quergäßchen springt, einen Weinschank erreicht und sich,
wenn die Umstände nicht zu ungünstig sind, sogar hinter ein
Fenster stellen und den Vorübereilenden eine Nase drehen kann.
Unser Flüchtling schien es noch besser haben zu sollen. Er
fand den in Paris noch seltenern Fall eines offenstehenden Torwegs,
sprang in diesen, wie er glaubte ungesehen, hinein, fand einen stillen
Hof, schlich sich die Treppe hinauf, hockte dort eine Weile und
würde sich haben wohlgemut wieder auf die wahrscheinlich


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