Liberale Energie - Eine Sammlung kritischer Schriften - Karl Gutzkow - Страница 1 из 507


Wolfgang Menzels Ich – Ich – Ich werd' es
nicht dulden – Ich – Ich werd' es nicht zugeben!
Wer ist dieses Ich? Ein Student, der vor fünfzehn Jahren nach der
Schweiz floh, weil man ihm die Ehre antat ihn für gefährlich
zu halten. Diese polizeiliche Überschätzung seines Wertes
war die erste Quelle von Menzels späterem Übermute. Die
Klugheit milderte seine Ausschweifung. Er wurde von flüchtigen
Patrioten besucht, die von ihm Hülfe und Schutz verlangten, und
nichts als Spott dafür bekamen, die von ihm mit seiner
gewöhnlichen, aus seiner immensen Geschichtserfahrung
abstrahierten Phrase regaliert würden: Liebe Leute! bedenkt doch!
als wenn unter diesen Verhältnissen irgend etwas andres zu
bedenken gewesen wäre, als die Hingebung an alte Gelübde und
Beteuerungen. Diese Unzuverlässigkeit ging damals mit der Absicht
um, sich auf die Literatur zu werfen. Bei einiger Dreistigkeit
ließen sich hier glänzende Resultate erringen. Claurens
unsterbliches Genie, Gustav Schillings Unübertrefflichkeit, die
Kritik eines Müllner, Friedrich Kind mit seiner Riesenharfe, der
titanenhafte Humor eines Karl Müchler – was für
Lorbeeren ließen sich hier erringen! Welch ein Mut gehörte
dazu, die Literatur der Restaurationsperiode mit der Walpurgisnacht zu
vergleichen, wo die unsaubern Geister auf den Besenstielen ihrer
vernachlässigten Schreibart einen wüsten Lärm
erhüben! Menzel hatte diesen Mut. Er wagte es, dieser


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