Unter dem schwarzen Bären - Karl Gutzkow - Страница 1 из 551


Autobiographische Aufzeichnungen, Bilder und Erinnerungen
Aus der Knabenzeit Im Akademie-Quadrat Vertrauensvoll ergreift
ein Kind die Hand des Lesers. Es spricht: Komm mit! Ich will dich
führen –! Wohin –? In eine Zeit um dreißig,
wohl vierzig Jahre zurück! So könnte es zunächst
antworten. Doch sagt es lieber gleich: Ich führe dich an den Rand
der Ewigkeit, an den Uranfang der Tage, den auch du kennst, wenn du
nur dein Ohr an das innerste Klopfen deines Herzens legen willst; ich
führe dich zurück in die Zeit deiner ersten Jugend, wo der
Mensch den Ahnungen der Ewigkeit so nahesteht, den ersten
Dämmerungen alles geschichtlichen Lebens! Der Schauplatz des
Jugendmärchens, das alle erlebt haben und das wahrer ist als alle
Geschichte, liegt wie in einer dunkeln, einsamen Kammer. Ist das
uranfängliche Chaos eures Lebens, die unermeßliche,
öde, dunkle Stille um euch her, der Mutterschoß eures
geistigen Lebens nicht wie jene dunkle Boden- oder Polterkammer des
Hauses, wohin eine Zeitlang der ausgediente Tannenbaum der Jugend
verbannt wird und was nicht alles durcheinanderliegt! Entkleidet
seiner goldnen Herrlichkeit, von der Glut seiner glänzenden
Lichter halb versengt, wandert das vertrocknete grüne Reis in
eine winterkalte Kammer zur schmutzigen Wäsche, zu leeren
Kübeln, zu alten Besen. Ach, soll denn auch der liebe Baum
sogleich in den Ofen? Es weinte doch die Dryade zu bitter, wenn sie


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