Auf der Wallfahrt - Ludwig Ganghofer - Страница 1 из 56


Schächtelchen fertig. Der Loibacher löste das kleine,
zierliche Ding aus der Drehbank, probierte noch einmal, ob sich der
dünne Deckel auch richtig auf den Untersatz füge, und
gesellte es dann zu den übrigen, die schon zu Dutzenden auf der
Drehbank übereinandergeschichtet standen. Mit einer
gewohnheitsmäßigen Bewegung wischte er sich den Holzstaub
aus dem grauen Schnurrbart und von den furchigen Backen und
schüttelte die krausen Späne von der blauen
Leinenschürze. Aus einem vor Alter morschen Weidenkorbe nahm er
ein kurzes, roh behauenes Stück weißen Ahornholzes und
musterte die Übergänge mit einem wägenden Blick seiner
dunklen, langsamen Augen, die, von zahllosen Fältchen umzogen,
unter buschigen Brauen tief gebettet lagen. Achtsam spannte er das
Holzstück zwischen die Bolzen der Drehbank und griff nach dem
Hohleisen, dessen Schärfe er am Daumennagel prüfte. Mit
einem Stoß des Handballens brachte er das große, von einem
groben Eisenreif umschlossene Schwungrad in Bewegung. Dabei seufzte er
tief auf, wie unter schwerer Sorge, und neigte den Kopf zur Seite, um
durch das kleine, offene Stubenfenster besser nach der Hausbank sehen
zu können. Geraume Zeit verweilten seine Blicke da draußen,
bevor er sie, wieder seufzend, zurückwandte zu seiner Arbeit.
Wehmütig nickte er vor sich hin, schob den Fuß über
die auf- und niedersteigende Tretstange und setzte mit
festgeschlossenen Händen das Eisen an das wirbelnde Holz. Die


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