Das Gotteslehen - Ludwig Ganghofer - Страница 1 из 386


herbstlichen Ulmen und Buchen rings um das kleine Blockhaus her und
sperrten mit dem Netzwerk ihrer tausend Äste und dem
Flammengewirr der farbigen Blätter alle Fernsicht. Man sah nur
den blauen Himmel in der Höhe, in weiter Runde nur die
weißen Spitzen der Berge. Über jene steilen Zinnen
war, ein Vorbote des nahenden Winters, schon der erste Schnee
gefallen, während auf den tieferen Gehängen noch die letzten
Blumen des Herbstes blühten. Der kalte Nachtreif hatte die zarten
Spitzen ihrer Blätter schon versengt, doch in ihren Kelchen war
noch Honig. Die Bienen, deren Stöcke unter dem vorspringenden
Moosdach des Blockhauses geborgen standen, flogen emsig ab und zu.
Dieser stete Immensang, gepaart mit dem Murmeln eines dünn
laufenden Brunnens, umschwebte wie leise Musik das niedere Dach und
alle Balkenmauern des kleinen, grau verwitterten Hauses, welches
einsam stand, menschenferne, versunken im Bergwald. Das Haus
eines Jägers. Neben dem Brunnen waren Wildfelle zum Trocknen
über Stangen gespreitet und über der Tür, zu beiden
Seiten eines hölzernen Kreuzes, waren gebleichte Luchsköpfe
und Bärenhäupter an die Balken genagelt. Vor der steinernen
Schwelle lag ein weiß und braun gefleckter Jagdhund in der
Sonne; blinzelnd und mit den Ohrlappen zuckend hielt er in Wohlbehagen
den Hals auf die vorgestreckten Pfoten geschmiegt; manchmal hob er den
Kopf, spähte funkelnden Blickes in den Wald, als hätte er


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