Das Kasermanndl - Ludwig Ganghofer - Страница 1 из 64


kaum ein schöneres Flecklein Erde geben als den
Roßmooserhof. Wenn einer aus dem Tal, in dem das Dorf gelegen
ist, durch den steilen, dunklen Bergwald drei Stunden hinaufsteigt,
dann sieht er plötzlich die Bäume zu Ende gehen, sieht das
Berggehänge sich spalten und in zwei ragenden Felswänden
auseinanderlaufen. Und vor seinen Augen öffnet sich ein weites,
herrliches Hochtal. Wie grüner Sammet leuchten die Wiesen,
auf den Feldern schwanken die gelben Ähren im sanften Wind, in
den Gräben und Teichen blitzt das Wasser wie blankes Silber, und
an den hundert Obstbäumen verschwindet beinah das Grün unter
den vielen Früchten, die sie tragen. Über die runden Kronen
der Apfelbäume hebt sich das stolze Bauernhaus mit
schneeweißen Mauern, mit blinkenden Fenstern und grünen
Läden, mit geschnitzten Giebelzieraten und einem schlanken
Glockentürmlein auf dem steilen Dach. Hinter dem Hause liegt der
umzäunte Garten mit Lauben und Blumenbeeten, deren Duft sich
vermischt mit dem süßen Heugeruch. Rings um den weiten
Hofraum reihen sich die Gesindehäuschen, die Schuppen und
Scheunen, die Wagenremisen und die langgestreckten Ställe, die im
Sommer nur die Pferde und nur wenige Milchkühe zu beherbergen
haben, da die übrigen Kühe und die jungen Rinder, gegen
vierzig an der Zahl, auf die Almen getrieben sind. In weitem Bogen
spannen sich um das schöne Tal die steilen Wälder und hohen
Felswände, als hätte der liebe Herrgott diese Riesenmauer


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