Der Herrgottschnitzer von Ammergau - Ludwig Ganghofer - Страница 1 из 108


dessen Weg geleiten, waren kurz geweidet, und ihre Farbe spielte schon
ein wenig in jenes müde Gelbgrün, das für die ganze
sprossende Natur der erste Vorbote des nahenden Absterbens ist.
Still und unbelebt lagen die Wiesen unter einem unfreundlich
graublauen Himmel. Nur vereinzelte Emmerlinge sah man von Zeit zu Zeit
aus den Büschen aufflattern, die da und dort den Weg der Ammer
bezeichnen oder den Lauf der Landstraße, die sich von Kohlgrub
her in das Oberammertal hineinzieht. Folgte der Fluß in
geräumigem Bett träge seinem Lauf, so ließ er ein
recht schwermütiges Bild gewahren; hatte er doch nichts anderes
zu spiegeln als den kurzgrasigen Uferrasen und darüber die
schweren Wolken, die den Himmel verhüllten. Darunterhin zogen die
leichten, grauen Nebel, die sich aus dem das Tal zur linken Seite
begleitenden Höhenzug des Steckenberges emporhoben und in steter
Verwandlung schräg über das Tal hinweghuschten, um sich in
die schwarzen Tannenwipfel und zwischen die plumpen Kuppen des
Aufackers zu verlieren, der mit seiner Zinne tief in Dunst und Wolken
steckte. Das gleiche Schicksal teilten auch die anderen, das Tal
umringenden Bergspitzen; nur die jäh emporsteigende Kobelwand
hatte mit ihren groben, eckigen Konturen den Nebelschleier zerrissen
und blickte finster auf das zu ihren Füßen liegende
Ammergau herab, während sich das auf ihrer höchsten Spitze
errichtete Kreuz in zwei scharfen Strichen vom grauen Himmel abhob.


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