Der Jäger von Fall - Ludwig Ganghofer - Страница 1 из 247


Bergdorfe Lenggries. Die beschneiten Berge schnitten scharf in das
tiefe Nachtblau des Himmels, aus dem die Sterne mit ruhigem Glanz
herunterblickten in das lange, schmale Tal. Dick lag der Schnee auf
Flur und Weg, auf den starrenden Ästen der Bäume und auf den
breiten Dächern der Häuser, hinter deren kleinen Fenstern
das letzte Licht schon vor Stunden erloschen war. Nur die Wellen
der Isar, deren raschen Lauf auch die eisige Winternacht nicht zum
Stocken brachte, sprachen mit ihrem eintönigen Rauschen ein Wort
in die allesumfangende Stille; und zwischendrein noch klang von Zeit
zu Zeit der Anschlag eines Hundes, dem die Vergeßlichkeit oder
das harte Herz seines Herrn die Tür verschlossen hatte und der
nun aus seiner fröstelnden Ruhe unter der Hausbank auffuhr, wenn
vor dem Hofgatter die Tritte des Nachtwächters im Schnee
vorüberknirschten. Langsam machte der Mann dieses einsamen
Geschäftes seine Runde im Dorf, eine hagere, noch junge Gestalt,
eingehüllt in einen weitfaltigen, bis auf die Erde reichenden
Mantel, dessen Pelzkragen aufgeschlagen war; eine dicke Pelzmütze
war tief über den Kopf gezogen, so daß zwischen Mantel und
Mütze nur der starke, eisgehauchte Schnurrbart hervorlugte. Die
Hände des nächtlichen Wanderers staken in einem Schliefer
aus Fuchspelz. Mit dem Quereisen in den Ellbogen eingehakt, hing unter
dem rechten Arm der hellebardenähnliche
›Wachterspieß‹, dessen Holzschaft lautlos


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