Der Klosterjäger - Ludwig Ganghofer - Страница 1 из 422


XIV. Jahrhundert Dem Angedenken meines heimgegangenen Kindes
Sie stieg hernieder auf die Erde,
Wie von der Sonne fällt ein Strahl ...
Und schwand hinweg von dieser Erde,
Wie er verglüht im dunklen Tal. Der Blume gleich im
Frühlingshage,
An Leib und Seele sonder Fehl,
War sie die Freude meiner Tage,
Mein Sorgentrost und mein Juwel. Kein Wölklein, das
sich nicht zerteilte
Vor ihrem sonnigen Gesicht,
Und wo sie ging und wo sie weilte,
Da war die Wärme, war das Licht. Sie lächelte:
man mußte lieben.
Ein Blick: und sie gewann ein Herz ...
Und ach, was ist von ihr geblieben?
Ein kleines Grab, ein großer Schmerz. L.G.
Kapitel 1 Frühling im Bergwald! Er kennt die Blumen nicht,
die der Lenz über die Wiesen des Tales streut, kennt nicht die
linden Lüfte, die spielend durch blühende Hecken streichen,
und nicht das liebliche Gezwitscher der heimgekehrten Schwalben, die
unter gastlichem Dach ihre Nester bauen. Frühling im Bergwald!
Das ist Brausen und Sausen, Toben und Donnern, Sturm und Tod.
Über dem Bergwald liegt der Winter wie ein grauenhafter Riese,
und der Frühling, der ihn scheuchen will, muß kommen als
ein gewaltiger Held, muß töten und zerstören, bevor er
bauen kann und neues Leben wecken aus eisigem Schlaf. Hoch in den
steilen Felsen krachen ohne Unterlaß die stürzenden
Lawinen, über die Halden fährt der stürmende Föhn


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