Dschapei - Ludwig Ganghofer - Страница 1 из 110


Mutter! Da schau her! Was mir der Almbauer gschenkt hat!« So
rief mit einer Stimme, aus der die Freude lachte, ein junges
Mädel, während es mit dem Ellbogen die Türklinke
niederdrückte und in die kleine, wohldurchwärmte Stube trat.
Die alte Baslerin – ihr Mann selig hatte sich Johann Nepomuk
Basler geschrieben – legte das Strickzeug auf ihr offenes
Gebetbuch, rückte aus dem Herrgottswinkel hervor und wollte sich
erheben. Schon stand das Mädel vor ihr, ließ sich auf
die Knie fallen und legte in den Schoß der Mutter ein kleines,
schneeweißes Lamm, das ängstlich in der Stube umherblickte
und empor zu den beiden ihm noch fremden Gesichtern. »Aber
Nannei! So was!« lächelte die Alte mit vergnüglicher
Miene. »Gelt, Mutter, so ebbes Liebs!« jubelte Nannei,
während sie behutsam das niedliche Tier liebkoste. »Schau
nur, die Haar, dö rühren sich an wie lauter seidene
Schneckerln! Und dös Goscherl, grad wie a Röserl, grad so a
Farb hat's! Und die guten Äugerln! Aber geh!« sprach Nannei
das Lamm mit schmollenden Worten an, »du Dschapei, du schaust ja
drein, als ob dich wer beißen wollt. Und zittern tust! Gelt,
draußen is gar so viel kalt gwesen, du arms Hascherl,
du!« Schmeichelnd drückte Nannei ihr Gesicht an den Hals
des Tieres und ließ ihm den warmen Hauch ihres Mundes unter die
lockige Wolle strömen. »Nannei? Schämst dich denn
net? Bist denn übergschnappt?« schalt die alte Baslerin,


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