Drei Menschen - Maxim Gorki - Страница 1 из 492


zahlreiche einsame Gräber zerstreut; in ihnen modern die Gebeine
frommer Greise, die sich zur Lehre der Altgläubigen bekannten,
und von einem dieser Greise – Antipa hieß er –
erzählt man sich in den Dörfern der Umgegend noch heute
mancherlei. Antipa Lunew, ein reicher Bauer von strengem
Charakter, war bis an sein fünfzigstes Jahr in weltlicher
Sünde versunken gewesen, hatte dann Einkehr bei sich gehalten
und, von Schwermut ergriffen, seine Familie verlassen, um sich in die
Waldeinsamkeit zu begeben. Dort, am Abhang einer steilen Schlucht,
hatte er seine Einsiedlerzelle zurechtgezimmert, und hier lebte er
acht Jahre lang, Sommer und Winter, ohne irgend jemand, seien es
Bekannte oder Verwandte, Einlaß zu gewähren. Zuweilen
stießen Leute, die sich im Walde verirrt hatten, zufällig
auf seine Zelle und sahen Antipa, im Gebet versunken, an ihrer
Schwelle knien. Sein Anblick erregte Furcht: er war ausgemergelt vom
Fasten und Beten und ganz mit Haaren bedeckt wie ein Tier. Wenn er
einen Menschen sah, so stand er auf und verneigte sich schweigend vor
ihm bis zur Erde. Fragte man ihn, wie man aus dem Walde hinausgelangen
könne, so wies er, ohne ein Wort zu sagen, mit der Hand den Weg,
verbeugte sich nochmals bis zur Erde, ging in seine Zelle und
verschloß sich darin. Man hatte ihn häufig gesehen in den
acht Jahren, aber kein Mensch hatte jemals seine Stimme vernommen.
Seine Gattin und seine Kinder besuchten ihn; er nahm Speise und


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