Mein Weggenosse und andere Erzählungen - Maxim Gorki - Страница 1 из 257


Ins Deutsche übertragen von Alexander Eliasberg
Inhalt Mein Weggenosse
Kain und Artem
Die Freunde
Kirilka
In der Steppe
Einst im Herbst
Malva Mein Weggenosse
1 Ich traf ihn im Hafen von Odessa. Seine kräftige,
stämmige Figur und sein von einem hübschen Bärtchen
umrahmtes Gesicht von kaukasischem Typus zogen schon seit drei Tagen
meine Aufmerksamkeit auf sich. Er tauchte immer wieder vor mir auf:
ich sah, wie er stundenlang auf dem Granit der Mole stand, den Griff
seines Stockes im Munde haltend und mit seinen schwarzen,
mandelförmigen Augen traurig das trübe Wasser des Hafens
betrachtend; zehnmal am Tage kam er im Schritt eines Flaneurs an mir
vorbei. Wer mag er wohl sein? Ich begann ihn zu beobachten. Wie um
mich zu necken, kam er mir immer öfter vor die Augen, und
schließlich gewöhnte ich mich daran, seinen modernen
karierten hellen Anzug, seinen schwarzen Künstlerhut, seinen
trägen Gang und selbst seinen stumpfen, gelangweilten Blick schon
aus der Ferne zu erkennen. Er war absolut unverständlich hier im
Hafen, beim Pfeifen der Dampfschiffe und Lokomotiven, beim Rasseln der
Ketten, bei den Schreien der Arbeiter, in diesem tollen und
nervösen Getriebe des Hafens, das den Menschen von allen Seiten
erfaßt und seinen Verstand und seine Nerven abstumpft. Alle
Menschen im Hafen waren von den riesenhaften Mechanismen geknechtet,


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