Unter fremden Menschen - Maxim Gorki - Страница 1 из 511


»Bursche« in einem Laden »für modisches
Schuhwerk« in der Hauptstraße der Stadt angestellt.
Mein Lehrherr ist ein rundlicher kleiner Mann; er hat ein graubraunes,
verschwommenes Gesicht, grüne Zähne und Augen wie
schmutziges Wasser. Er scheint mir blind zu sein, und um mich davon zu
überzeugen, schneide ich allerlei Gesichter. »Schneid
keine Fratzen«, sagt er leise, aber streng. Es ist mir
unangenehm, daß diese trüben Augen mich sehen: Ich kann es
nicht recht glauben – vielleicht errät der Lehrherr nur,
daß ich Grimassen mache? »Ich habe gesagt, du sollst
keine Fratzen schneiden«, ermahnt er mich noch leiser, fast ohne
die dicken Lippen zu bewegen. »Kratz dir nicht die Arme«,
dringt sein trockenes Murmeln auf mich ein. »Du bist in einem
erstklassigen Geschäft in der Hauptstraße angestellt, das
darfst du nicht vergessen! Ein Bursche hat wie eine Statue an der
Tür zu stehen.« Ich weiß nicht, was eine Statue
ist, und kann auch nicht aufhören, mir die Arme zu kratzen
– sie sind bis an die Ellenbogen mit roten Flecken und
Geschwüren bedeckt, sie werden unbarmherzig von der
Krätzmilbe zerfressen. »Was hast du zu Hause
getrieben?« fragt der Prinzipal und besieht meine Hände.
Ich erzähle es ihm, er schüttelt den runden, mit dichtem
Grauhaar bedeckten Kopf und sagt ärgerlich: »Lumpensammeln
ist schlimmer als Betteln, schlimmer als Stehlen.«


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