Der Irre von St. James - Philipp Galen - Страница 1 из 677


Kriminalroman 1. Kapitel
Es war in den ersten Tagen des Juni im Jahre 1843, als ich, von
einer Reise nach Schottland zurückkehrend, denjenigen Teil
Englands betrat, in welchem das steilere Gebirge allmählich in
die wellenförmigen grünen Hügel übergeht, die, je
mehr man sich dem Süden zuwendet, nach und nach sich in das
flache Land verlieren. Es war ein sehr warmer Tag gewesen, und
ich hatte, nach meiner Gewohnheit zu Fuß reisend, viel von der
Hitze gelitten, so daß ich mit Sehnsucht den kühleren
Abendstunden entgegensah, die für den Reisenden so erquickend
sind. Mein Herz, noch erfüllt von den Wundern des
Hochlandes, wurde getragen von den schönen Naturszenen, die mich
umgaben. Ich hatte viele fremde und entlegene Länder
besucht, nicht nur, um sagen zu können, ich sei dagewesen,
sondern ich fühlte mich als Arzt berufen, den Menschen in seinem
freuden- und leidenvollen Treiben zu studieren, und ich hatte es mir
diesmal zur besonderen Aufgabe gemacht, alle Krankenhäuser von
Ruf, vorzüglich aber die Irrenanstalten, zu besuchen, die in
England so musterhaft ausgestattet sind, daß sie sogar eine
europäische Berühmtheit erlangt haben. So wollte ich
denn eine der namhaftesten dieser Heilstätten aufsuchen, die auf
meinem heutigen Wege lag, und längere Zeit darin verweilen
– ich meine die Irrenanstalt zu St. James. Mit mancherlei


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