Parasiten - Rudolf (Carl) von Gottschall - Страница 1 из 457


    Berlin
Verlagsbuchhandlung Alfred Schall
Königl. Preuß. und Herzogl. Bayer.
Hofbuchhändler
Verein der Bücherfreunde
[1906]     Erstes Buch
Erstes Kapitel Draußen der Sonnenschein auf den abgeernteten
Feldern – noch standen überall die Ährenschober wie
Termitenhügel des ländlichen Ameisenfleißes –
und welke Feldblumen, dunkelroter Mohn und blaue Cyanen blickten
kläglich zwischen den Kornähren hervor. Wie schimmerte der
Fluß, der zwischen Weidenstumpfen auf dem einen Ufer und einer
stattlichen Allee von Silberpappeln auf dem anderen mit seiner stillen
Flut dahinzog – und über den Wipfeln des fernen Waldes
lag's wie in einem Lichtgewölk gesammelter Sonnenschein. Die
Fenster des Gutshofs auf der Höhe funkelten und die Fenster des
Dorfes im Tal blieben die Antwort nicht schuldig – es war wie
eine Illumination zu Ehren des Hochsommers, der über diese Felder
und über die schwer mit Obst beladenen Bäume sein
Füllhorn ausgeschüttet. Draußen der Sonnenschein
– doch im Gutshof selbst herrschte böses Wetter. Wolken
lagen auf der Stirn der Herrin und Gebieterin und schwer ruhte ihre
Hand auf den Knechten und Mägden. Alle duckten sich und krochen
in die Winkel, selbst der Hofhund, mit den Ketten rasselnd, versteckte
sich in der Hundehütte; 4 die Tauben guckten verschüchtert
aus dem Taubenschlag hervor – nur der Stier brüllte im


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