Aus'm heiligen Landl - Rudolf (Heinrich) Greinz - Страница 1 из 274


Rudolf Greinz     Leipzig
Verlag von L. Staackmann
1909     Der Pecher Hias.
Mit Pech hatte es der Hias einen beträchtlichen Teil seines
Lebens zu tun gehabt. Er war nämlich Pechsammler und Wurzengraber
von Profession. Das Pech verarbeitete er zu allerlei heilsamen
Pflastern für die verschiedensten menschlichen Gebresten. Aus den
Wurzen braute er Trankeln für Vieh und Leut' oder brannte
kräftigen Schnaps daraus. So hatte er es nicht nur zu einem
gewissen Ansehen, sondern auch zu kleinen Ersparnissen gebracht. Im
Laufe der Jahre hatte er sich sogar ein kleines Gütel am Wald
droben erhaust, in dem er wirtschaftete, sein Pech auskochte und aus
seinen Wurzen klingende Münze schlug. Der Hias wäre also
im Grunde genommen ein beneidenswerter Mensch gewesen, wenn er nicht
zuletzt das Weiberleutische und den Heiratssinn bekommen hätte.
Als »a lediger Fetz'n« hatte der Pecher Hias schon ein
halbes Jahrhundert am Buckel, als ihn plötzlich der Rappel packte
und er es allein nicht mehr aushielt. Wenn's der Goas zu wohl ist,
heißt es im Volksmund, dann kratzt sie sich . . .
und wenn's einem alten Junggesellen zu gut geht, dann heiratet er.
6 Der Hias hatte eine ältere Dirn geheiratet, die auch schon
tüchtig in den Vierzigern war, die Kordl vom Weyraterbauern.
Schon äußerlich war es das ungleichste Paar, das sich
denken ließ. Der Hias ein bärenstarker, baumlanger Mensch,


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