Tiroler Leut - Rudolf (Heinrich) Greinz - Страница 1 из 154


    L. Staackmann Verlag / Leipzig
1926     Die tanzenden
Jungfrauen Ich weiß ein Dörfl. Das liegt in einem
breiten Hochtal. Niedrig sind die Häuser des Dörfels, und
grau, ernst und behäbig ist der alte Glockenturm. Bedächtig
wie ein guter, viel erfahrener Großvater schaut er auf die
niedrige altersgraue Kirche herab . . . ein treuer
Wächter über dem Dorf und seiner Gemeinde. Das ganze
Dorf besteht eigentlich nur aus zwei Reihen Häusern, kleinen,
niederen Steinbauten ohne Blumenschmuck, die sich längs der
breiten Straße von Norden nach Süden erstrecken. Aber
einzelne der Häuser sind schon uralt und teilweise mit alten
Fresken geziert. Ein tiefer, fast feierlicher Ernst lagert
über der ganzen Gegend, feierlich durch die gewaltige Bergwelt,
die sich um das Tal aufbaut. Vom Süden herauf
grüßen mächtige Gletscher. Die Felder des Tales heben
sich leuchtend ab von dem tiefdunklen Blau des Himmels. 8 Es ist
ein recht altmodisches Dörfl. Auch seine Bewohner sind ernst und
altmodisch. Und führte nicht die breite Landstraße mitten
durch's Dorf, so könnte man wähnen, ins Mittelalter versetzt
zu sein. Oberhalb des Dorfes erhebt sich ein steil ansteigender
Hügel, auf dem eine zweite Kirche steht, eine kleine
Wallfahrtskirche. Sie ist vor alter Zeit zu Ehren der heiligen Mutter
Anna, der Mutter der Jungfrau Maria errichtet worden. Leider muß


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