Brief über die Landschaftsmahlerey - Salomon Geßner - Страница 1 из 21


Landschaftsmalerey (1770) Mein Herr! Sie glauben, es
könne Aufmerksamkeit verdienen, und nützlich seyn, wenn ich
zu Papier bringe, was für einen Weg ich eingeschlagen habe, in
der Kunst so spät noch auf einen erträglichen Grad zu
steigen; möchten das viele Künstler vor mir gethan haben,
wie unendlich nützlich müßte das für die Kunst
seyn, wenn man mehr die Geschichte der Kunst, durch was für
Mittel Künstler zu ihrer Grösse gelanget sind, was für
Schwierigkeiten, und wie sie solche überwunden, was sie auf ihrem
Wege und bey ihrer Entwicklung für Bemerkungen gemacht haben, in
der Mahler-Geschichte finden würde. Ihre Werke würden
vielleicht weniger gelehrt als die Werke gelehrter Kenner seyn; aber
sie würden Sachen enthalten, die sie jeder unter seinen besondern
Umständen, jeder bey seinem Anwachs und bey seinen Arbeiten
gemacht, auf die der Kenner niemals kommen kann. So (um nur ein par
Exempel zu geben) enthält das Werk, das Lairesse, nachdem er
durch seine Kunst die allgemeine Bewunderung sich erworben hatte, zu
schreiben anfieng, die brauchbarsten Materialien, und Sachen, die nur
ein Lairesse mit solcher Deutlichkeit, während den Jahren seiner
Studien und seiner besten Arbeiten gefunden und genau beobachtet hat;
und wie unschätzbar ist das Werkgen von Mengs, das mehr gutes
über die Kunst zu denken giebt, als ganze Folianten; weiß
er gleich als Philosoph sich nicht deutlich zu machen, so redt er doch


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