Daphnis - Salomon Geßner - Страница 1 из 78


Geßner, u. Comp. 1762 Me juvat in Gremio
doctæ legisse puellæ
    Auribus & puris Scripta probasse mea.
Hæc ubi contigerint, Populi confusa valeto
    Fabula, nam Dominâ Judice tutus ero.
Propert. Lib. II. Mein Herr!
WIe, Sie kœnnen izt in der Stadt bleiben, izt da der Fryhling
kommt? Wollen Sie nicht sehen, wie die Bæume blyhen, und wie die
Wiesen sich schmyken? Kommen Sie doch zu uns auf das Land; Sie werden
den Fryhling sehen, und mich. Wenn Sie nun nicht kommen, so werd ich
recht bœse auf Sie; ich bin es so schon halb. Die Frau N.
hat mir gesagt, Sie haben einen Daphnis geschrieben; und ich, mein
Geheimniß-reicher Herr! ich muß davon nichts wissen. Sie
haben doch gesehen, daß mir Ihr leztes Lied recht sehr wol
gefallen hat; ich sing es immer. Verzweifelt! (sagt die Frau
von * * *) Sie singen doch immer das gleiche, wie die
Amsel des Herrn B. Lezthin sang ichs beym Mond-Schein in der
Wiese, und war recht froh dabey. Da hub die Nachtigall an, und da
mußt ich doch schweigen, so gern ich mich selbst singen
hœre. Kommen Sie den kynftigen Donnerstag gewiß, ich will
Sie auf den Abend in der Laube erwarten; aber bringen Sie den Daphnis
mit, oder ich bin mein Lebtag nicht mehr Ihre Freundin.  
Mademoiselle! WEr kœnnte Ihnen auf solche Drohungen
nicht gehorchen? Hier haben Sie den Daphnis, und zwar gedrukt; und die


-10     пред. Страница 1 из 78 след.     +10