Der Tod Abels - Salomon Geßner - Страница 1 из 135


Gesaengen. Zürich bey Orell, Geßner, u. Comp. 1762.
paulò majora canamus,
Non omnes Arbusta juvant, humilesque Myricæ.
Virg. Ecl. IV. Vorrede. Ich habe mich an einen
hœhern Gegenstand gewaget, um zu wissen, ob meine
Fæhigkeiten weiter hinaus reichten, als ich sie bisher versucht
hatte. Eine Neugierde, die jedermann haben sollte. Man macht oft einen
Dichter furchtsam, der in einer gewissen Dicht-Art glyklich gewesen
ist, und will ihn in diese Sphære einzæunen, als wenn er
izt da die ganze Bestimmung und die ganze Stærke seines Genie
gefunden hætte, wenn er oft mehr durch æussere
Umstænde, und vielleicht mehr von ungefehr, als durch besondern
Trieb desselben auf diese Bahn ist gefyhrt worden. Wenn auch die Welt
dem Dichter nicht mehr Achtung schuldig wære, der sich an die
hœhere Poësie wagt, so hat es doch fyr sich schon
Belohnungs genug, wenn man ein Styk von weiterm Umfang ausarbeitet. Es
ist von tausend Vergnygungen begleitet, wenn man ein grosses
Mannigfaltiges zu yberdenken hat, Triebfedern der Handlungen bis zu
ihrem ersten Ursprung verfolget, und Charakteren ausmahlet, und durch
verwikelte Begebenheiten immer kennbar fortgehen læßt. Die
ganze Natur ist dann ein unerschœpfliches Magazin, mit allem was
ist oder seyn kœnnte, woraus das Genie alles das herholet, was
seinen geliebten Gegenstand schmyken kann; da ist die ganze Seele in
Bewegung, und Fæhigkeiten myssen erwachen, die vielleicht sonst


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